Was auch passiert…

Es war ein kalter Januartag im Jahr 1995. Damals dachte ich die ganze Welt würde sich gegen mich verbünden und alle würden sich von mir abwenden. In der sechsten Klasse war noch alles in bester Ordnung. Ich war beliebt und hatte Freunde. Doch dieses änderte sich abrupt als ich in die siebente Jahrgangsstufe kam und somit auf eine weiterführende Schule.

Dafür hatte ich eine tolle Familie, meine Eltern waren noch zusammen und mit meiner kleinen Schwester verstand ich mich prima. Auch bekam ich gute Noten und hatte meine Begabung in der Kunst gefunden. Das einzige was mir wirklich fehlte war eine beste Freundin. Aber zurück zu diesem Januartag. Ich kam in den Klassenraum und zog mir meine dicke Daunenjacke aus. Irgendwas war an diesem Mittwochmorgen aber anders als sonst. Und zwar war das die Neue. Unser Lehrer stellte sie uns als Julie vor. Sie war wirklich wunderschön, lange braune Haare, große blaue Augen, groß und viel zu perfekt um mit mir befreundet zu sein. Mir war sofort klar dass sie sich den hübschen Mädchen anschließen würde. Nach der vierten Stunde ging ich wie gewöhnlich Mittag essen in der Kantine.

Dort einen Platz zu finden war genauso schwierig wie einem Hund Gitarre spielen beizubringen. Enttäuscht wollte ich mich auf den Weg zur Toilette machen um dort mein Essen zu verschlingen. Da hörte ich eine Stimme hinter mir.

,,Hannah? Willst du mir Gesellschaft leisten?’’

Hatte da grad wirklich Julie mit mir geredet?

,,M-meinst du mich?’’ fragte ich unglaubwürdig.

,,Natürlich meine ich dich.’’ Sagte sie lachend und verdrehte ihre Augen.

Sofort fing sie ein Gespräch mit mir an und ich fühlte mich seit langer Zeit endlich wieder wohl in meiner Haut und lachte ab und an sogar.

Damals haben wir beide nicht geahnt, dass sich dieses gemeinsame Mittagessen zu einer

wundervollen Freundschaft entwickelt…

5 Jahre später waren wir in der zwölften Klasse und mussten mehr denn je Schulstoff in uns

hineinquälen. Ich saß am Wochenende von früh bis spät in die Nacht an Hausaufgaben und

Projekten. Ich musste mich wirklich anstrengen, denn ich wollte was in meinem Leben erreichen.

Ich hatte mir vorgenommen Medizin zu studieren um Ärztin zu werden.

Julie in Gegensatz zu mir ging auch in der stressigen Schulzeit oft aus um einfach Spaß zu haben. Ihre Noten waren mittelmäßig aber sie war zufrieden.

Sie sagte immer dass sie ja sowieso Sängerin werden würde, dieses konnte ich nur belächeln.

Nicht selten sagte ich zu ihr das sie sich was anständiges suchen sollte, daraufhin lächelte sie nur und sagte mir das alles möglich sei wenn man nur fest daran glaubt.

Im Großen und Ganzen aber war ich nun zufrieden mit meinem Leben.

Bis zu diesem einen Tag der alles veränderte…

Es war Sonntag und ich war gerade mit Physikformeln beschäftigt, da klingelte mein Telefon, es war Julie.

,,Hi Hannah!’’ Erst als ich ihre Stimme hörte wurde mir klar dass ich sie in der letzen Zeit wirklich vermisst hab. Wir haben sogut wie nichts mehr miteinander gemacht weil ich ständig nur mit der Schule zutun hatte.

,,Sag mal könntest du bitte bei mir vorbei kommen? Ich brauche dich!’’

Normalerweise hätte ich gesagt dass das jetzt schlecht ist weil ich was für meine Physiknote tun müsste aber ich merkte das etwas nicht in Ordnung war.

Ich beeilte mich und war eine halbe Stunde später bei ihr. Es war inzwischen dunkel geworden, es war neblig und zu meinem Bedauern waren keine Sterne am Himmel zu sehen.

Nachdem ich geklingelt hatte machte mir Julies Mutter die Tür auf. Ich trat in das Haus und sah Julies gesamte Familie im Wohnzimmer sitzen. Sogar ihr Vater war da, der sich sonst nur an Geburtstag und Weihnachten meldete. Die Mutter, welche Tränen in den Augen hatte sagte zu mir dass Julie sich bereits von jedem verabschiedet hätte. Ich verstand nicht und bekam langsam Panik.

,,Warum verabschiedet? Wo will sie hin?’’ ich schrie schon fast.

,,Hat sie dir das etwa noch nicht erzählt?’’ sie schluchzte und fuhr dann fort.

,,Hannah, jetzt musst du stark sein, Julie hat schon vor 6 Jahren die Diagnose bekommen das sie Krebs hat. Wir wussten dass es früher oder später passieren würde und heute ist der Tag. Sie ist schwach und der Arzt gibt ihr nicht mehr lange. Dich, ihre beste Freundin, wollte sie als letztes sehen. Sie ist auf der Veranda.’’

Kaum hatte sie dieses ausgesprochen war ich auch schon dort.

Julie lag in Decken gehüllt in einem ausklappbarem Sessel und schaute in den Himmel.

Ich merkte wie mir die Tränen in die Augen schossen, ich versuchte sie nicht wie sonst immer zu unterdrücken, denn bei Julie konnte ich immer so sein wie ich wirklich war.

,,Warum hast du mir nie davon erzählt?’’ hauchte ich mit zittriger Stimme.

Sie machte etwas Platz und ich legte mich zu ihr.

,,Ich weiß es nicht, vielleicht war es einfach nur die Angst das du dich von mir abwenden würdest. Ich weiß, das es egoistisch war, denn jetzt hab ich dich damit verletzt.’’ Sagte sie nachdenklich und schaute weiterhin in den Himmel.

,,Du kannst mich doch jetzt nicht alleine lassen Julie!’’

,,Ich lass dich nicht alleine Hannah, ich bin immer da wenn du mich brauchst!’’

,,Aber, das geht nicht, ich meine wenn…’’

,,Sag einfach nichts mehr, versprich mir einfach das du deine Leidenschaft zu deinem Beruf machst, mach das was dir gefällt und lass dir von niemandem was sagen, okay? Für mich.’’

Hannahs Stimme war schwach und es fiel ihr schwer zu reden.

,,Ich verspreche es.’’

Langsam schlossen sich ihre großen Augen.

Ihre letzten Worte waren: ,,Du wirst schon sehen, ich werde immer da sein, denn was auch

passiert…’’

Weiter kam sie nicht. ,,Wir werden immer Freunde sein!’’ vollendete ich ihren Satz und meine Tränen wurden immer heftiger.

Dann schaute ich in den Himmel und bemerkte wie ganz plötzlich ein Stern erschien, der schönste Stern den ich je gesehen habe.

,,Hallo Julie.’’ Sagte ich mit einem Lächeln.

Und erst da wurde mir klar was im Leben wirklich das Wichtigste ist, nicht etwa die Zensuren oder der Beruf. Sondern das zu machen was einen glücklich macht.

Denn sterben müssen wir alle irgendwann und ist es nicht besser seine letzten Augenblicke mit Menschen zu verbringen denen man wirklich etwas bedeutet anstatt einfach nur reich zu sterben?

Ich aufjdenfall finde die erste Variante besser und habe das Versprechen, welches ich Julie gegeben habe auch eingehalten.

Mittlerweile arbeite ich als Fotografin und reise um die ganze Welt, oft bin ich alleine aber wenn ich mich einsam fühle, muss ich einfach nur in den Himmel schauen und dann weiß ich das es eine Person gibt die immer für mich da ist.

 


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